Reparationen an Frauen

     Nun, die Frau ist ein wundervolles Geschöpf, darin dürften sich alle ausgenommen der Mysogonisten einig sein. 
Es steht außer Frage, das die Zartheit ihres Geschöpfs auch in einer Schattierung der Intelligenz des Mannes nicht untersteht; und doch steht ihr in der realen Welt nicht das selbe zur Verfügung obwohl ihr die Welt zu Füßen liegen sollte - sie ist die Schöpferin dessen, was unsichtbar in ihrem floralen Schoß geborgen liegt. 
     Logisch ist für mich, dass Frauen für ihre Rechte kämpfen, tragisch ist, dass sie es müssen.


Ehrlich gesagt, es überrascht mich nicht, da es in jedem Ast der Lebensgeschichte gleichermaßen auftritt: die Frau schreit, brennt, aber bleibt unsichtbar.
Es scheint gar so, als hätte das andere Geschlecht kein Auge für derartige Details -
Ich bin mir nicht sicher ob allen bewusst ist, dass es nicht nur geschlechtsspezifische Lohnunterschiede, sondern signifikante Vermögensunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, in Europa beispielsweise besitzen Männer im Durchschnitt etwa 40% mehr Vermögen als ihre weibliche bessere Hälfte; wie kann das also sein, wo doch Frauen und Männer in der katholischen Welt ein Zweisam bilden? Das frage ich mich jedenfalls seit einer kleinen Weile und möchte der Sache auf den Grund gehen. Ich denke, es ist an der Zeit, Reparationszahlungen von dem sich als männlich identifizierenden Teil der Gesellschaft zu erwarten, in der Kapitalanlage Menschheit funktionieren Scheine als einziges Druckmittel.

     Es zeigt sich, dass trotz Jahrzehnten feministischer Kämpfe grundlegende Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen weiterhin bestehen.
Frauen verdienen in der Europäischen Union durchschnittlich 16 % weniger als Männer, wie die Eurostat-Daten von 2014 belegen.
Gleichzeitig sind Männer im Besitz von etwa 40 % mehr Vermögen als Frauen – ein Ungleichgewicht, das sich durch Erbschaftspraktiken, Einkommensunterschiede und die strukturelle Diskriminierung am Arbeitsmarkt erklären lässt. In vielen Bereichen, von politischer Macht bis hin zu wirtschaftlichen Ressourcen, bestehen nach wie vor erhebliche Barrieren für Frauen.       Diese anhaltende Benachteiligung wirft die Frage auf, ob Reparationszahlungen in Form einer geschlechtsspezifischen Steuer, die ausschließlich von Männern getragen wird, eine notwendige und gerechte Maßnahme sein könnten, um diese Ungleichheiten aktiv zu bekämpfen.Ein solcher Vorschlag kann durch die Idee historischer Verantwortung gerechtfertigt werden. Nach John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit sollten gerechte Gesellschaften Umverteilungen zugunsten der Schwächsten vornehmen.
Ein „Schleier des Nichtwissens“ würde verdeutlichen, dass niemand freiwillig eine Gesellschaft akzeptieren würde, in der Frauen über Jahrtausende systematisch benachteiligt wurden. Reparationszahlungen könnten somit als moralisch begründete Wiedergutmachung für die historische und fortlaufende Ungleichbehandlung von Frauen gesehen werden. Sie wären nicht nur eine finanzielle Kompensation, sondern auch ein symbolisches Zeichen der Anerkennung und Verantwortung.
     

      Auch wirtschaftlich gesehen könnte eine solche Maßnahme langfristige Ungleichheiten abbauen. Thomas Piketty hat in seinem 2014 veröffentlichten Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert dargelegt, dass Vermögen über Generationen hinweg stark konzentriert bleibt und Privilegien wie Erbschaften bestehende Machtverhältnisse zementieren. Frauen haben aufgrund geringerer Einkommen, prekärer Arbeitsbedingungen und ihrer traditionellen Rolle in der Care-Arbeit historisch weniger Vermögen akkumuliert. Reparationszahlungen, finanziert durch eine geschlechtsspezifische Steuer auf männliches Vermögen oder Einkommen, könnten dazu beitragen, diese strukturellen Defizite auszugleichen. Feministische Ökonominnen wie Nancy Fraser haben zudem hervorgehoben, dass unbezahlte weibliche Care-Arbeit die Grundlage kapitalistischer Gesellschaften bildet und dringend monetär anerkannt werden müsste.

 

     Ein weiteres Argument liegt in der Verantwortung der Männer, aktiv zur Veränderung beizutragen. Simone de Beauvoir schrieb in Das andere Geschlecht, dass Frauen historisch zum „Anderen“ gemacht wurden – zur untergeordneten und abhängigen Kategorie. Diese strukturelle Unterdrückung kann nicht allein von Frauen gelöst werden. Es wäre an den Männern, aktiv ihre Privilegien abzutreten und Verantwortung für die Schaffung einer gerechteren Gesellschaft zu übernehmen. Reparationszahlungen könnten diesen Prozess initiieren, indem sie nicht nur materielle Umverteilungen vornehmen, sondern auch die symbolische Botschaft senden, dass Männer bereit sind, ihre Machtposition zu hinterfragen und abzugeben.
Kritisch könnte jedoch eingewendet werden, ob eine solche Maßnahme moralisch und praktisch gerechtfertigt ist. Die Frage der kollektiven Schuld steht dabei im Mittelpunkt. Ist es legitim, heutige Männer für die historische Ungerechtigkeit des Patriarchats zur Verantwortung zu ziehen? Hier könnte argumentiert werden, dass die Vorteile, die Männer aus diesen Strukturen ziehen, bis in die Gegenwart hineinwirken und daher eine kontinuierliche Verantwortung begründet ist. Ein weiteres Gegenargument betrifft die Freiheit, insbesondere in Isaiah Berlins Verständnis der negativen Freiheit: Würde eine solche Steuer nicht die Freiheit der Männer einschränken? Diese Einschränkung könnte jedoch durch das Ziel der positiven Freiheit – die Schaffung gerechterer Lebensbedingungen für alle – gerechtfertigt werden.

      Praktische Herausforderungen einer solchen Maßnahme wären ebenfalls erheblich.

      Wie könnte eine geschlechtsspezifische Steuer rechtlich umgesetzt werden? Wie vermeidet man Abwehrhaltungen seitens der Männer, die eine gesellschaftliche Polarisierung weiter verschärfen könnten? Und wie stellt man sicher, dass Reparationszahlungen nicht zu einer erneuten Abhängigkeit der Frauen führen, sondern tatsächlich ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Position stärken?


     Trotz dieser Einwände könnte der symbolische Wert solcher Reparationszahlungen enorm sein. Selbst in kleinerem Umfang könnten sie eine gesellschaftliche Debatte anstoßen, die nicht mehr nur die Frauen in die Pflicht nimmt, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Es ist nicht länger nur die Aufgabe der Frauen, für ihre Rechte zu kämpfen; vielmehr muss ein Paradigmenwechsel stattfinden, in dem Männer ihre Macht teilen und aktiv an einer gerechteren Gesellschaft mitwirken.

 

Mann stelle sich das mal vor.